SIGA-FSIA Anästhesiekongress 2026: Ein Thema, viele Formen: «Blackout»

SIGA-FSIA Anästhesiekongress 2026

Am 18. April 2026 findet im Kursaal Bern der SIGA-FSIA Anästhesiekongress statt. Rund 700 Fachpersonen kommen zusammen, um sich entlang konkreter klinischer Situationen weiterzubilden. Das Leitthema «Blackout» wird dabei nicht abstrakt behandelt, sondern systematisch in unterschiedliche, im Alltag relevante Formen von Ausfällen aufgeschlüsselt.

Der Auftakt macht deutlich, wie breit das Thema gedacht ist. Gleich zu Beginn wird «Blackout» aus kardiologischer Perspektive betrachtet: von Sinusrhythmus bis Kammerflimmern. EKGs werden gemeinsam interpretiert, typische Verläufe besprochen und deren klinische Bedeutung eingeordnet. Im Anschluss folgt der Blick auf eine andere Ebene: Was passiert, wenn Infrastruktur ausfällt? Ein länger andauernder Stromausfall oder IT-Ausfall trifft den Gesundheitssektor unmittelbar. Die Frage ist nicht, ob so etwas möglich ist, sondern wie gut man darauf vorbereitet ist.

Danach rückt die unmittelbare klinische Praxis in den Fokus. Verschiedene Schockformen werden kompakt zusammengefasst und differenziert betrachtet. Die korrekte Einschätzung entscheidet darüber, welche Massnahmen eingeleitet werden und wie schnell sie greifen. In dieselbe Richtung zielt der Beitrag zum Schlaganfall. «Time is brain» ist mehr als ein Schlagwort. Es geht um Minuten, die über den Verlauf entscheiden, und um die Rolle der Anästhesie, damit diese Zeitfenster eingehalten werden.

Der Begriff «Blackout» wird im weiteren Verlauf auf weitere Ebenen übertragen. Traumatische Ereignisse können zu kognitiven Aussetzern führen, die Handeln und Entscheiden beeinträchtigen. Hier geht es um psychologische Mechanismen und den Umgang damit im Arbeitsalltag. Parallel dazu wird ein organbezogener Ausfall thematisiert: das akute Nierenversagen. Ein Prozess, der oft leise beginnt, aber grosse Auswirkungen auf den Verlauf einer Narkose haben kann.

Am Nachmittag verschiebt sich der Fokus auf neurologische und perioperative Aspekte. Das Delir wird als häufige, aber oft schwer fassbare Störung im Anästhesie-Kontext beleuchtet. Es geht um Einflussfaktoren, Prävention und die Frage, welche Massnahmen tatsächlich einen Unterschied machen. Anschliessend wird ein klassisches Worst-Case-Szenario behandelt: die pädiatrische Reanimation. Selten, hochkritisch und nur dann beherrschbar, wenn Abläufe sitzen und das Team funktioniert.

Der rote Faden durch den Tag ist klar erkennbar. «Blackout» wird nicht als einzelnes Ereignis verstanden, sondern als Sammelbegriff für unterschiedliche Formen von Funktionsausfällen. Herz, Gehirn, Organe, Psyche und Systeme werden jeweils aus ihrer Perspektive betrachtet. Entscheidend ist dabei immer dieselbe Frage: Was ist in diesem Moment zu tun?

Der Kongress zeigt damit vor allem eines: Anästhesiepflege bewegt sich in einem Umfeld, in dem Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen und Fehler direkte Konsequenzen haben. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Fachwissen, Einschätzung und Zusammenarbeit.

Diese Realität prägt nicht nur den OP oder die Intensivstation, sondern zunehmend das gesamte Gesundheitswesen. Die Situationen werden komplexer, während gleichzeitig Ressourcen knapp bleiben. Teams müssen funktionieren, auch wenn sie nicht immer vollständig besetzt sind.

Temporäre Einsätze sind unter diesen Bedingungen ein fester Bestandteil geworden. Sie dienen dazu, kurzfristige Ausfälle zu kompensieren und Abläufe aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig stellen sie zusätzliche Anforderungen an die Organisation. Neue Mitarbeitende müssen sich schnell orientieren, bestehende Teams bleiben verantwortlich für Qualität und Sicherheit.

Ob das gelingt, hängt weniger von einzelnen Personen ab als von klaren Strukturen, nachvollziehbaren Abläufen und einer sauberen Integration in den Arbeitsalltag.

Der Kongress macht genau diese Anforderungen sichtbar, ohne sie zu überhöhen. Er zeigt, wie breit der Begriff «Blackout» im klinischen Kontext gefasst werden kann und wie wichtig es ist, für unterschiedliche Ausfallszenarien vorbereitet zu sein.

Für uns bei ICM Medical ist das kein theoretischer Befund, sondern tägliche Praxis.